MUSIK: Feine Strahlen aus Klang
Kosmisches Konzert in „Urkirche Wald"
HAGELBERG -
Die Station 28 gehört augenscheinlich zu den beliebtesten
Verweilpunkten des internationalen Kunstwanderweges im Hohen Fläming.
Obwohl sie eigentlich zu keiner der beiden Hauptrouten im Norden und
Süden gehört, wohl aber diese verbindet. Der Ort mitten im Wald zwischen
Borne und Klein Glien hat etwas Magisches und wurde viele Jahre wie ein
Geheimtipp gehandelt. Ein Weiher mit großer Trauerweide, auf deren
niedrigen dicken Ästen man wie in einem Haus sitzen und aufs Wasser
sehen kann. Eine große Lichtung, umstanden von uralten Eichen und
Buchen. In einer Baumgruppe auf den ersten Blick viele Feldsteine, die
auf den zweiten Blick die Umrisse eines moosüberwachsenen Fundaments
bilden. Hier stand einst die Kirche von Groß Glien. Verlassene Dörfer
werden als Wüstung bezeichnet; an diesem von der Natur so üppig
bedachten Ort mit dem weiten Blick auf den Hagelberg ist von Kargheit
nichts zu spüren.
Der vielfach talentierte Künstler Sebastian
David aus Gottsdorf (Teltow-Fläming) hat die einstige Anwesenheit von
Menschen wieder ins Blickfeld gerückt. Seine „Weltentür“ direkt an der
Weide verbindet die heutige und damalige Zeit. Sie erinnert in ihrer
historischen Bauweise daran, dass hier einst Häuser standen und lädt
beim Hindurchgehen zugleich dazu ein, das alltäglich Zivilisatorische
hinter sich zu lassen.
Der mit ungewöhnlichen Formen und Materialien
spielende Bildhauer ist zugleich ein Weltmusiker, der Inspirationen vor
allem aus der asiatischen Welt bezieht. Gemeinsam mit ähnlich gestimmten
Musikerkollegen lädt er am kommenden Wochenende zum kosmischen Konzert.
„Wir möchten den Ort wieder beleben mit einer im besten Sinne des
Wortes sakralen Atmosphäre, durch Klänge, die in engem Bezug zur Natur
stehen und die Verbindung zwischen Mensch und Natur in liebevoller
Achtsamkeit spiegeln“, beschreibt Sebastian David das künstlerische
Anliegen.
Im Wechsel von Lauschen und Zwiegespräch
erklingen Kristallklangschalen, gespielt von Pina Bettina Rücker und die
japanische Bambusflöte Shakuhachi, geblasen von Sven Roxi Otto, der
diese Flöte seit acht Jahren in der Tradition der Fuke-Schule studiert.
Beide Instrumente sind in der Meditationspraxis tief verwurzelt. Clemens
Voigt ist einer der versiertesten Maultrommelspieler Deutschlands und
spielt unter anderem auf der chinesischen Kuo Xiang, einer vier- bis
fünfzüngigen, mehrstimmigen Maultrommelvariante und kreiiert sanfte
Trancewolken aus Klang. Johannes Baller, Musiker aus dem Hohen Fläming,
spielt die Buk, eine koreanische Holz-Trommel, die traditionell unter
anderem als Gesangsbegleitung gespielt, nun selbst beginnt, zu singen.
Und als Klangnomade Sebabu Setjan öffnet Sebastian David schließlich
Klang- und Herzräume auf dem Hang, der Shrutibox und einer fünf (statt
vier)-saitigen Violine.
Das Konzert ist die erste von mehreren geplanten
Veranstaltungen an diesem Ort. Da keine Bestuhlung vorhanden oder
vorgesehen ist, werden die Besucher der etwa zweieinhalbstündigen
Veranstaltung unter freiem Himmel gebeten, Sitzgelegenheiten
mitzubringen.
Konzert in der Wüstung Groß Glien am Sonntag, 14
Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden (Empfehlung: 10 Euro) sind erbeten.
(Von Kerstin Henseke)
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